Was ist DNS-basiertes Ad-Blocking?
Bevor wir die drei Kandidaten vergleichen, kurz die Grundlagen. Jedes Mal, wenn du eine Website aufrufst oder eine App eine Verbindung herstellt, wird eine DNS-Anfrage gesendet. DNS steht für Domain Name System — es übersetzt Domainnamen wie „example.com" in IP-Adressen. Dein Gerät fragt also: „Welche IP hat tracking.example.com?" — und bekommt eine Antwort. Genau hier setzen DNS-Blocker an. Statt die Anfrage an einen normalen DNS-Server zu schicken, leiten sie sie über einen eigenen Server, der eine Blockliste führt. Steht die angefragte Domain auf dieser Liste — zum Beispiel weil sie bekannt dafür ist, Werbung oder Tracking-Daten auszuliefern — wird die Anfrage blockiert. Die Domain wird einfach nicht aufgelöst, und die Verbindung kommt gar nicht erst zustande. Der große Vorteil: DNS-Blocking funktioniert netzwerkweit. Wenn du den DNS-Blocker als DNS-Server in deinem Router einträgst, profitieren alle Geräte im Netzwerk — vom Mac über das iPhone bis zum Smart-TV. Du musst keine Software auf jedem einzelnen Gerät installieren. Allerdings hat DNS-Blocking auch klare Grenzen. Es arbeitet auf Domain-Ebene, nicht auf Verbindungsebene. Das heißt: Wenn eine App Tracking-Daten über dieselbe Domain sendet, die auch für die Kernfunktion genutzt wird, kann der DNS-Blocker nicht unterscheiden. Er blockiert entweder die ganze Domain — und die App funktioniert nicht mehr — oder er lässt alles durch, inklusive Tracking. Außerdem hilft DNS-Blocking nicht gegen Verbindungen, die direkt über IP-Adressen laufen, ohne DNS-Auflösung. Manche Apps und Dienste nutzen genau das, um DNS-Blocker zu umgehen. Trotz dieser Einschränkungen ist DNS-Blocking ein mächtiges Werkzeug — und die drei folgenden Lösungen machen es zugänglich.
Pi-hole — Der selbstgehostete Klassiker
Pi-hole ist das Original unter den DNS-Blockern und seit 2014 die Referenz für netzwerkweites Ad-Blocking. Der Name kommt vom Raspberry Pi, auf dem die Software ursprünglich lief — aber mittlerweile kannst du Pi-hole auf praktisch jedem Linux-System oder in einem Docker-Container betreiben. Die Einrichtung ist für technisch versierte Nutzer unkompliziert: Pi-hole auf einem Raspberry Pi oder Server installieren, als DNS-Server im Router eintragen, fertig. Das Web-Interface zeigt dir Statistiken in Echtzeit: Wie viele Anfragen wurden blockiert, welche Domains werden am häufigsten aufgerufen, welche Geräte im Netzwerk erzeugen den meisten Traffic. Die Stärke von Pi-hole liegt in der Community. Es gibt hunderte kuratierter Blocklisten, und die Dokumentation ist hervorragend. Wenn du ein spezifisches Problem hast, findest du die Lösung mit hoher Wahrscheinlichkeit im Forum oder auf Reddit. Allerdings hat Pi-hole auch Nachteile. Die Software unterstützt von Haus aus kein DNS-over-HTTPS (DoH) oder DNS-over-TLS (DoT) — du brauchst zusätzliche Software wie Cloudflared oder Unbound, um verschlüsselte DNS-Anfragen zu ermöglichen. Das ist 2026 ein echtes Manko, denn unverschlüsseltes DNS bedeutet, dass dein Internetanbieter jede einzelne DNS-Anfrage mitlesen kann. Außerdem braucht Pi-hole Hardware, die rund um die Uhr läuft. Ein Raspberry Pi verbraucht zwar wenig Strom, aber er muss eingerichtet, gewartet und gelegentlich aktualisiert werden. Wenn der Pi ausfällt, fällt auch dein DNS aus — und damit dein Internet. Für technikaffine Nutzer ist das kein Problem, aber es ist ein Punkt, den du bedenken solltest. Pi-hole ist kostenlos und Open Source. Du zahlst nur für die Hardware. Für wen ist Pi-hole ideal? Für alle, die gerne basteln, volle Kontrolle wollen und kein Problem damit haben, einen kleinen Server zu betreiben.
AdGuard Home — Pi-holes moderner Rivale
AdGuard Home wurde 2018 veröffentlicht und ist in vielerlei Hinsicht die Antwort auf Pi-holes Schwächen. Wie Pi-hole ist AdGuard Home Open Source und selbstgehostet — du betreibst es auf deiner eigenen Hardware. Aber AdGuard Home bringt einige Features mit, für die du bei Pi-hole Zusatzsoftware brauchst. Der größte Vorteil: AdGuard Home unterstützt DNS-over-HTTPS, DNS-over-TLS und DNS-over-QUIC direkt ab Werk. Keine zusätzliche Konfiguration, keine Extra-Software. Du richtest es ein, aktivierst verschlüsseltes DNS, und deine Anfragen sind vor deinem Internetanbieter geschützt. Das allein ist für viele Nutzer der entscheidende Grund, AdGuard Home gegenüber Pi-hole zu bevorzugen. Das Web-Interface ist modern und übersichtlich. Du siehst auf einen Blick, welche Geräte im Netzwerk wie viele Anfragen stellen, welche Domains blockiert werden und wie dein Netzwerk-Traffic verteilt ist. Die Einrichtung ist ähnlich unkompliziert wie bei Pi-hole — Docker-Container starten, als DNS im Router eintragen, läuft. AdGuard Home bietet außerdem eingebaute Kindersicherung und Safe-Browsing-Features. Du kannst bestimmte Dienste für bestimmte Geräte blockieren — zum Beispiel Social Media auf dem Tablet deiner Kinder, während dein eigener Rechner vollen Zugriff hat. Diese gerätebasierte Konfiguration ist bei Pi-hole nur mit Umwegen möglich. Die Blocklisten-Verwaltung ist etwas intuitiver als bei Pi-hole, und AdGuard pflegt eigene, hochwertige Filterlisten. Gleichzeitig kannst du alle Pi-hole-kompatiblen Listen importieren. Der Nachteil? Die Community ist kleiner als die von Pi-hole, und für sehr spezifische Probleme findest du weniger Diskussionen und Lösungen im Netz. Außerdem brauchst du auch hier eigene Hardware, die permanent läuft. AdGuard Home ist ebenfalls kostenlos und Open Source. Für wen ist es ideal? Für alle, die die Vorteile von Pi-hole wollen, aber Wert auf verschlüsseltes DNS und ein moderneres Interface legen.
NextDNS — Cloud-basiert, ohne Setup
NextDNS geht einen fundamental anderen Weg als Pi-hole und AdGuard Home: Statt eigener Hardware nutzt du die Server von NextDNS in der Cloud. Du änderst einfach die DNS-Einstellungen auf deinem Gerät oder Router — fertig. Kein Raspberry Pi, kein Docker, keine Wartung. Die Einrichtung dauert buchstäblich zwei Minuten. Du erstellst ein kostenloses Konto, bekommst eine individuelle DNS-Adresse und trägst diese in deinem Router oder auf deinen Geräten ein. NextDNS bietet Apps für macOS, iOS, Android und Windows, die die Konfiguration noch einfacher machen. Das Dashboard ist mächtig: Du siehst alle DNS-Anfragen in Echtzeit, kannst Blocklisten aktivieren und deaktivieren, einzelne Domains whitelisten und Statistiken nach Gerät filtern. NextDNS unterstützt DNS-over-HTTPS und DNS-over-TLS, und da die Server weltweit verteilt sind, ist die Latenz in der Regel niedrig. Der Gratisplan erlaubt 300.000 DNS-Anfragen pro Monat — das reicht für die meisten Einzelnutzer. Darüber hinaus kostet NextDNS knapp 2 Euro pro Monat. Im Vergleich zur Hardware-Investition und dem Stromverbrauch eines Raspberry Pi ist das fair, aber es ist ein laufender Kostenpunkt. Der offensichtliche Nachteil: Du gibst deine DNS-Anfragen an ein Unternehmen weiter. NextDNS hat zwar eine klare Datenschutzrichtlinie und bietet die Option, Logs nach kurzer Zeit automatisch zu löschen, aber du musst dem Anbieter vertrauen. Bei Pi-hole und AdGuard Home verlassen deine Daten dein Netzwerk nicht — bei NextDNS schon. Außerdem bist du von der Verfügbarkeit des Dienstes abhängig. Wenn NextDNS ausfällt, fällt dein DNS aus. Das ist selten, aber es ist ein Risiko, das du bei einer selbstgehosteten Lösung nicht hast. Für wen ist NextDNS ideal? Für alle, die DNS-Blocking wollen, ohne sich mit Hardware und Wartung zu beschäftigen — und die bereit sind, dafür einem Cloud-Anbieter zu vertrauen.
DNS-Blocker vs App-Firewall — Braucht man beides?
Die kurze Antwort: Ja. DNS-Blocker und App-Firewalls ergänzen sich — sie ersetzen sich nicht. Ein DNS-Blocker arbeitet auf Netzwerkebene und schützt alle Geräte gleichzeitig. Er ist hervorragend darin, bekannte Werbe- und Tracking-Domains zu blockieren, bevor die Verbindung überhaupt zustande kommt. Aber er hat blinde Flecken: Er kann nicht sehen, welche App eine Anfrage stellt. Er kann nicht unterscheiden, ob eine Verbindung zu einer Domain von deinem Browser kommt oder von einer App, die im Hintergrund Telemetrie-Daten sendet. Und er versagt komplett bei Verbindungen, die DNS umgehen. Eine App-Firewall wie NetMute arbeitet auf einer anderen Ebene. Sie sitzt direkt auf deinem Mac und sieht jede ausgehende Verbindung — inklusive der Information, welche App sie initiiert. Du siehst nicht nur, dass eine Verbindung zu analytics.example.com aufgebaut wird, sondern auch, dass es dein Texteditor ist, der das tut. Und du kannst genau diesen Texteditor blockieren, ohne andere Apps zu beeinträchtigen. Das Zusammenspiel ist mächtig: Der DNS-Blocker fängt den Großteil der bekannten Tracker auf Netzwerkebene ab. NetMute fängt alles ab, was durch das DNS-Netz rutscht — unbekannte Tracker, direkte IP-Verbindungen und Apps, die sich erst nach einem Update verdächtig verhalten. Ein konkretes Beispiel: Du installierst eine neue Notiz-App. Der DNS-Blocker kennt deren Tracking-Domain noch nicht, weil sie neu ist. NetMute zeigt dir sofort, dass die App im Hintergrund Verbindungen zu einem Analytics-Server aufbaut — und du blockierst sie mit einem Klick. NetMute kostet einmalig €9,99 — kein Abo, keine versteckten Kosten. In Kombination mit einem DNS-Blocker deiner Wahl hast du ein Sicherheits-Setup, das 2026 seinesgleichen sucht. Der DNS-Blocker schützt dein Netzwerk, NetMute schützt deinen Mac.